Elektrizität, "Strom" ist ja schon eine faszinierende Angelegenheit: Man kann damit Licht erzeugen Bewegung und Wärme. Man kann damit die Pommes frittieren, Internet betreiben, Musik hören, TV schauen, kochen, mittlerweile sogar effizient heizen und und und.
Aber Strom wird leider auch immer teurer. In den letzten 20 Jahren hat sich der durchschnittliche Strompreis in Deutschland mehr als verdoppelt. Der Hauptgrund: Der höhere Anteil an erneuerbaren Energien. Dass Wind und Sonne keine Rechnung schicken, wie es so schön heißt, ist natürlich völlig korrekt. Wohl aber wollen die Menschen bezahlt werden, die Windkraft- und Photovoltaikanlagen herstellen, warten und instand halten. Auf der RWE Hauptversammlung wurde die Frage gestellt:
"Wie viel installierte Leistung braucht man für eine unterbrechungsfreie Stromversorgung im Vergleich zwischen Gaskraft, Offshore Wind, Onshore Wind oder Photovoltaik?"
Die Antwort war, man brauche
- 60 MW Gaskraft oder
- 180 MW Offshore Wind (Faktor 3) oder
- 220 MW Onshore Wind (knapp Faktor 4) oder
- 590 MW Photovoltaik (beinahe Faktor 10)
Da fing das Milchmädchen in mir natürlich an zu rechnen: Aktuell liegt die Deckung des Strombedarfs übers Jahr gesehen in Deutschland bei einem Erneuerbare-Energie-Anteil von etwa 25%. Legt man jetzt zugrunde, dass diese 25% zu einer Erhöhung des Strompreises von ungefähr ~20 Cent/kWh geführt haben, dann fehlen uns für die restlichen 75% ja noch drei Mal ~20 Cent/kWh, d.h. wir landen dann so bei Größenordnung 90 Cent/kWh bei 100% Erneuerbare. Da kommt dann noch die Inflation oben drauf und die Tatsache, dass die letzten 20% so teuer werden dürften wie die ersten 80%.
Das Milchmädchen in mir erwartet also Strompreise von 1 € / kWh in den nächsten 10 bis 20 Jahren. Die Umstellung auf 100% Erneuerbare ist sowohl gesellschaftlicher als auch politischer Konsens in Deutschland und ich will das hier auch gar nicht in Frage stellen. Ich erkläre hier lediglich, weshalb ich mich für einen doch vergleichsweise teuren Mietkauf einer PV-Anlage mit Speicher für unser Einfamilienhaus entschieden habe. Bei unserem aktuellen Stromverbrauch von inkl. Wärmepumpe etwa 8.000 kWh/Jahr reden wir also von rund 8.000 € für Strom pro Jahr oder 667 € Abschlag pro Monat. Das erscheint mir wenig erstrebenswert.

Ich bin also im Frühjahr noch mal auf die Suche nach einem Anbieter für eine PV-Anlage gegangen. Es gestaltete sich äußerst schwierig. Die meisten Firmen gingen weder ans Telefon noch antworteten sie auf E-Mail. Ein Anbieter, mit dem ich im Vorfeld schon mal korrespondiert hatte und von dem mir ein Angebot vorlag, wollte lediglich gegen eine Gebühr von 100 € ein Angebot abgeben, sagte aber, dass es dieses Jahr auf jeden Fall nicht mehr klappt, weil er auf lange Sicht ausgebucht ist. So kam dann die Idee auf, eine PV-Anlage zu mieten. Ich habe mich auf den Webseiten der zwei führenden Anbieter für zu vermietende PV-Anlagen durchgeklickt und mir Angebote erstellen lassen. Bei (Anzeige)
Enpal ging es super schnell, nur wenige Minuten nachdem ich mich angemeldet hatte, bekam ich einen Anruf mit Rückfragen. Ich habe Fotos vom Haus und vom Zählerschrank hochgeladen und dann hatte ich auch schon innerhalb einer Woche den "Beratungstermin". In diesem Beratungstermin hat ein freundlicher Berater uns das Konzept vorgestellt, was sie bei uns zu welchen Kosten realisieren könnten. Wir würden eine PV-Anlage mit 14,8 kWp und einem 10 kWh Speicher mieten können für 200 € zzgl. Mehrwertsteuer pro Monat. Nach Ablauf der 20 Jahre könnten wir die Anlage für 1 € übernehmen.
Bei (unbezahlte Werbung)
Sunvigo ging es ähnlich schnell. Sunvigo hat ein etwas anderes Konzept, hier bucht man quasi einen Sonnenstromtarif. Für jede kWh Solarstrom, die man aus der PV-Anlage auf dem eigenen Dach bezieht, zahlt man und eben für den Bezug aus dem Stromnetz. Der überschüssige Strom, der eingespeist wird, wird von Sunvigo selbst vermarktet. Außerdem zahlt man hier eine Grundgebühr. Ich persönlich habe das Angebot als zu kompliziert empfunden, außerdem war ich mir mit dem Verkäufer uneins über die Sinnhaftigkeit von Begrenzungen der abzunehmenden Strommenge im Flatrate-Tarif. Der ausschlaggebende Punkt war jedoch, dass mir der Verkäufer nicht sagen konnte, wann ich denn mit einem Montage- und Inbetriebnahmetermin rechnen könnte.
Bei Enpal war das anders. Man hätte alles vorrätig und würde noch im Mai installieren und in Betrieb nehmen. Das klang vor dem Kontext von gigantischer Nachfrage aufgrund steigender Strompreise, des Ukraine-Krieges und der durch diese gestiegene Nachfrage steigenden Preisen und den Corona Maßnahmen in China, dem Hauptlieferanten für PV, doch vielversprechend. Ich konnte und kann mir nicht vorstellen, dass die Preise hier in den nächsten Monaten fallen und man plötzlich PV-Anlagen hinterhergeworfen bekommt. Allein schon durch das Nadelöhr der Monteure, die ja nun wirklich nicht vom Himmel fallen. Kann natürlich passieren. Meine Glaskugel ist mir leider kürzlich runtergefallen 😊
Ich habe also mit meiner Frau gerechnet, hin und her überlegt und dann entschieden: Augen zu und durch. Hier die Chronologie im Überblick:
30.03.2022: Erste Kontaktaufnahme meinerseits, gefühlte zehn Sekunden später Rückruf durch Enpal
06.04.2022: Beratungsgespräch
08.04.2022: Beantragung zur Prüfung
26.04.2022: Vor Ort Termin durch den "Scout"
04.05.2022: Die finale Vertragsunterschrift
25.05.2022: Lieferung der Anlage durch Spedition
27.05.2022: Installation der Module auf dem Dach
30.05.2022: Installation der Technik im Haus und Inbetriebnahme, leider stellte sich die Batterie als defekt heraus, deshalb
03.06.2022: Monteur vor Ort um zu sehen, ob etwas zu machen ist. Diagnose: Batterie defekt, muss getauscht werden.
07.06.2022: Lieferung der Ersatzbatterie morgens um ~9 Uhr, Montage der Batterie und diesmal erfolgreiche Inbetriebnahme der Batterie am Nachmittag
Zwischen der ersten Kontaktaufnahme und der finalen Inbetriebnahme lagen also gerade mal 69 Tage!
Kleines Willkommensgeschenk kam vorab mit der Post. Ein Papphäuschen mit Solarzelle, Batterie und LED Beleuchtung. Die Kinder waren fast so begeistert wie ich ;o)
Lieferung der 40 PV-Module inkl. Befestigungssystem (obendrauf)
Leider war die Palette zu schwer, fast eine Tonne, um mit der Elektro-Ameise des Spediteurs über unseren kurzen Schotterstreifen auf den Parkplatz zu kommen.
Das hat dann Houdini übernommen ;o)
Die restliche Technik wie Wechselrichter und Batteriespeicher kam auf einer extra Palette.
Die Montage der Halterungen erfolgte durch zwei Dachdecker mit Behelfsgerüst.
Am zweiten Tag wurden dann die Module aufs Dach gezaubert.
Sieht doch ganz chic aus, oder nicht ;-)?
Die Kabel durch unser Dach zu führen war eine Herausforderung für die Handwerker, da unser Isowoodhaus-Dach so dick ist, dass der Holzbohrer zu kurz war...
Hat dann aber doch noch geklappt.
Außerdem passte die Elektrik entgegen der ursprünglichen Planung komplett an eine Stirnwand des Dachbodens, so dass die andere Wand weiterhin für Gerümpel zur Verfügung steht.
Die Anlage erzeugt einiges an Abwärme, so dass wir aktuell darüber nachdenken, zusätzlich zu dem einen kleinen Lüfter, den wir haben, eine weitere Belüftung zu verbauen.
Hallo Thomas, danke für den Beitrag. Welche Anlage ist im DAchboden? Ich dachte immer, dass nur zwei dicke Kabel vom Dach bis in den Technikraum gelegt werden. Oder ist das abhängig vom Anbierter der PV-Anlage?
AntwortenLöschenZweite Frage, nach 3.5 Jahren würdet ihr die Zähler zusammenlegen? Danke.
Bei uns ist im Hauswirtschaftsraum einfach kein Platz mehr gewesen für den PV-Speicher. Der ist ja recht groß, etwa so breit und so hoch wie ein Kühlschrank, nur nicht so tief. Außerdem fiept so ein Wechselrichter. Deswegen stehen Wechselrichter und Speicher auf dem Dachboden. Wie es gemacht wird, entscheidet man meiner Erfahrung nach mit dem ausführenden Elektriker vor Ort.
LöschenZur zweiten Frage: Ja, die Zähler sind mittlerweile zusammengelegt. Ich muss den Artikel mal aktualisieren.. Bei uns wurde der Wärmepumpentarif so teuer, dass sich das nicht mehr gelohnt hat. Die Kosten für den zweiten Zähler haben die Ersparnis quasi schon aufgefressen. Von Ostern bis Oktober hat man ohnehin annähernd 100 % Autarkie, auch mit Warmwasser und bisschen heizen, im Dezember / Januar komme ich immerhin noch auf 35 %. So richtig ideal ist es nicht, ein bisschen die Wahl zwischen Pest und Cholera. Dieser Winter war bei uns eher untypisch kalt bisher, da braucht die Wärmepumpe schon deutlich mehr Strom als in den Jahren zuvor.
Ein weiterer Vorteil der Zusammenlegung ist, dass man im Sommer die Wärmepumpe auf Kühlbetrieb stellen kann. Das werde ich diesen Sommer zum ersten Mal testen.
Danke
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